Der historische Ort – Geschichte und Gegenwart

Das Ev. Luth. Diakonissen-Mutterhaus heute

Das Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg (Wümme) ist heute ein Ort, an dem Menschen in einer Gemeinschaft mit Leidenschaft in christlicher Nächstenliebe handeln. Dies zeigt sich u.a. in der Trägerschaft von vielfältigen Aufgaben in den Bereichen Flüchtlingshilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe und schulischer Ausbildungen. Gleichzeitig ist das Diakonissen-Mutterhaus der Lebensort der noch lebenden 13 Rotenburger Diakonissen.
Als ureigenste Aufgabe ist das Mutterhaus Träger eigener sozialer und kultureller Projekte (z.B. das Patenkind-Programm in Äthiopien, die Elise-Averdieck-Stiftung, das Museum am Mutterhaus).
Der Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg (Wümme) e.V. beschäftigt heute rund 80 Mitarbeitende und wächst beständig weiter. Geführt wird der Verein vom Vorstand, der aus 2 Vorstandsmitgliedern besteht, und dem übergeordneten Aufsichtsrat (Kuratorium). Das Mutterhaus selbst zeichnet mit seiner Innenausstattung, diversen Abbildungen und Texten die Geschichte der Diakonissen-Bewegung. Aber besonders auch das Museum im Mutterhaus – mit seinen vielen Gegenständen der damaligen Diakonissen – lässt jeden Besucher und jede Besucherin den Alltag der damaligen Diakonissen nacherleben.

Evangelische Elise-Averdieck-Schulen

Als Träger für schulische Ausbildungen (Erzieher/Erzieherin, sozialpädagogischer Assistent/sozialpädagogische Assistentin und Altenpfleger/Altenpflegerin mit 180 Ausbildungsabschlüssen pro Jahr), ist das Diakonissen-Mutterhaus einer der größten Ausbildungsträger im Landkreis Rotenburg. Die „Evangelischen Elise-Averdieck- Schulen“ bieten interessierten Menschen die Möglichkeit, sich für soziale Berufe zu qualifizieren. Aus ihrer christlichen Tradition heraus verstehen sie soziale Berufe als Dienste für Menschen, gleich welchen Alters, welcher sozialer, ethnischer oder religiöser Herkunft. Dieses diakonische Selbstverständnis lebt in diesen Schulen, deren Ausbildungsgänge bewusst eine überschaubare Größe haben. Eine individuelle Lernbegleitung und ein persönlicher, wertschätzender Umgang von Studierenden und Lehrkräften prägen die Lernatmosphäre in den Evangelischen Elise-Averdieck-Schulen.

Flüchtlings­hilfe

Das Diakonissen-Mutterhaus engagiert sich seit 2015 in der Flüchtlingshilfe. Dabei unterstützen Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen geflüchtete Familien und Einzelpersonen bei der Suche nach geeignetem Wohnraum und organisieren den Wechsel aus einem Übergangswohnheim in eine Wohnung. Auch nach dem Einzug in eigenen Wohnraum, stehen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiterhin zur Seite. Generell beraten sie bei Fragen zum Aufenthalts-, Arbeits- und Ausländerrecht und helfen beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen. Ebenso bieten sie Unterstützung in Erziehungs- und Gesundheitsfragen sowie bei Familienkonflikten. Sie helfen beim Finden des passenden Deutschkurses und beraten in Sachen der Schul- und Berufsausbildung. Außerdem bieten Sie Unterstützung, wenn Familien und Einzelpersonen in ihr Heimatland zurückkehren möchten und helfen ihnen bei der Organisation der Rückkehr.

Kindergarten und Krippe

Schon 1905 wurde in Rotenburg eine Kleinkinderschule am Diakonissen-Mutterhaus eröffnet. Diese diente der pädagogischen Betreuung von Kindern, aber auch der praktischen Ausbildung von „Kleinkinderlehrerinnen“. Eine tief im Glauben begründete Ehrfurcht vor dem Kind prägte die Arbeit, die sich auf das Gedankengut von Elise Averdieck, der Gründerin des Diakonissen-Mutterhauses, stützte. Heute werden in der Kindertagesstätte „Lindenburg“ bis zu 75 Kinder im Kindergarten betreut. In der seit August 2012 bestehenden Krippe, werden in zwei Gruppen jeweils bis zu 15 Kinder im Alter von ein bis drei Jahren von drei Fachkräften pro Gruppe betreut. Im August 2019 eröffnet das Diakonissen-Mutterhaus einen zweiten Kindergarten für bis zu 100 Kinder in Rotenburg.

Rotenburger Akademie – Diakonie. Gesundheit. Soziales.

Das Evangelisch-Lutherische Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg (Wümme) – in seiner langjährigen Tradition und im diakonischen Auftrag dem Dienst am Menschen verpflichtet, plant bereits seit längerem, den Bildungsbereich auszuweiten. Bildung ist nicht nur ein großer gesellschaftlicher, sondern auch unser diakonischer Auftrag. Diesem Auftrag entsprechend sind bereits wichtige soziale Einrichtungen unter unserem Dach implementiert. Mit der Rotenburger Akademie für Diakonie, Gesundheit und Soziales vervollständigt sich nunmehr das Angebot und Profil des Mutterhauses nach innen wie nach außen. Aufsetzend auf dem bereits seit vielen Jahren fest etablierten und zu übernehmenden ‘innerbetrieblichen Fortbildungsbereich‘ des AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG – mit Angeboten rund um Medizin und Pflege – sind zudem Kursangebote aus den verschiedenen vielfältigen Feldern in unserem Weiter- und Fortbildungs-Portfolio.

Hospiz Zum Guten Hirten

Zusammen mit der „Rotenburger Werke gGmbH“ plant der Verein ein stationäres Hospiz in Rotenburg mit 8 Betten zu eröffnen, in welchem schwerstkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase betreut und gepflegt werden. Das Ziel ist es, im Frühjahr 2021 das neue Hospiz zu eröffnen und so eine Versorgungslücke in der Region zu schließen.

Äthiopien

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Diakonisse Tine Albers, Annemarie Weseloh und Brigitte Büchler viele Jahrzehnte in Äthiopien tätig. Diakonisse Annemarie Weseloh rief in Nekemte, Äthiopien, ein Aids-Projekt („Ossa“: Organization for Social Services for Aids) ins Leben: dazu gehört Aufklärung der Bevölkerung über Aids, Versorgung von Aidswaisen, Begleitung Aidskranker und Sterbender. Heute versorgt das Diakonissen-Mutterhaus zusammen mit ca. 180 Patinnen und Paten rund 250 Patenkinder in Äthiopien und ermöglicht diesen ein gutes Leben, sodass die Kinder mit einem Dach über dem Kopf, Essen, Schulbildung und einer Perspektive für ihr Leben und das ihrer Familie versorgt sind.

Immobilien

Das Diakonissen-Mutterhaus verfügt über mehrere Immobilien in und um Rotenburg. Dazu gehören u.a. die Krankenhausgebäude, welche an die AGAPLESION gAG lediglich verpachtet sind, sowie ca. 300 Wohneinheiten. Die Erträge aus diesem Geschäftsfeld dienen heute und zukünftig dazu, die soziale Arbeit des Vereins zu ermöglichen und zu finanzieren.

Versorgung der Diakonissen

Die Diakonissen haben den Verein über die letzten Jahrzehnte aufgebaut. Zeitweise lebten bis zu 160 Diakonissen in Rotenburg und arbeiteten dort im Krankenhaus, in den Rotenburger Anstalten oder anderen karitativen Einrichtungen in und um Rotenburg. Dabei verpflichteten sich die Diakonissen mit der Einsegnung zu Beginn ihres Dienstes zu einer lebenslangen Bindung an das Diakonissen-Mutterhaus in Rotenburg. Dies fand in erster Linie darin Ausdruck, dass sie ihre Gehälter und Einkünfte komplett an das Diakonissen-Mutterhaus weiterleiteten. Dafür erhielten sie Versorgung in allen Lebensbereichen und das Diakonissen-Mutterhaus schloss alle notwendigen Verträge, Versicherungen etc. ab. Besonders im Alltag sorgt das Diakonissen-Mutterhaus dafür, dass die Diakonissen versorgt sind und übernimmt u.a. auch die Betreuungsvollmachten bzw. sichert die Zusatzkosten bei einer Pflegebedürftigkeit ab. Aktuell leben noch 13 der sich dem Mutterhaus verpflichteten Diakonissen.

Wie gehts weiter?

Das Leben als Diakonisse