Literatur

Über Leben in der christlichen Kolonie

Die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission umfassten bis 1955 eine große Heil- und Pflegeanstalt, ein Diakonissenmutterhaus und eine Brüderschaft. Deren Entwicklung wird von der Entstehung bis zur Trennung der unterschiedlichen Anstaltsteile beschrieben. Das Buch stellt die medizinische Versorgung der Patienten, die patriarchale Anstaltsleitung und den Ausbau der Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderungen dar. Die Konfrontation mit der NS-Gesundheitspolitik, mit der Zwangssterilisation und der NS-»Euthanasie« werden wie die Nöte der Nachkriegszeit in den historischen Kontext eingeordnet. Das Buch fragt nach dem Zusammenhang zwischen der Anstaltsorganisation, der Anpassung an die verschiedenen politischen Regime und der Teilhabe an Unrechtshandlungen.

Die Einrichtung schreibt selbst zu diesem Buch:

Dieses Buch erzählt bewegende und eine bewegte Geschichte. Seit mehr als 120 Jahren erfahren in Rotenburg Menschen mit Behinderung und kranke Menschen Hilfe und Unterstützung. Eindrucksvolles ist hier im Geist christlicher Nächstenliebe geleistet worden. Die Diakonissen voran, aber auch Diakone, Ärzte, Pflegekräfte und viele andere haben Segensreiches aufgebaut und vieles getan, das für Menschen zu einer großen Hilfe wurde. Zugleich hatten die Rotenburger Einrichtungen teil an den Ambivalenzen der NS-Zeit. Was hier geschah, stand immer auch im Kontext der Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft. Bereits vor Jahren haben sich die Rotenburger Werke ihrer Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus gestellt. Verschiedene Veröffentlichungen, regelmäßige Gedenkveranstaltungen und ein Mahnmal auf dem Friedhof geben dem Ausdruck. Aber es blieben auch Fragen offen. So ist in jüngster Zeit das Bedürfnis laut geworden, die Position der Rotenburger Anstalten in der Zeit des Nationalsozialismus noch genauer zu betrachten. Dabei wird insbesondere auch nach der Rolle der Verantwortlichen gefragt, namentlich nach Pastor Johannes Buhrfeind, der die Anstalten von 1903 bis 1942 in prägender Weise geleitet hat. Wie ist sein Denken und Handeln, insbesondere während der NS-Zeit, zu beurteilen? Das Kuratorium des Diakonissenmutterhauses Rotenburg hat diese Fragen aufgenommen und in einem Forschungsprojekt mit der Ruhr-Universität Bochum das Ziel verfolgt, die historischen Zusammenhänge transparent zu machen und aufzuklären.

Unter dem Schatten Deiner Flügel

Das Tagebuch Jochen Kleppers führt den Leser in eine überwundene Zeit und zugleich in seine eigene Gegenwart. Seit der letzten Eintragung in das auf viele hundert Seiten angewachsene Manuskript sind über fünfzig Jahre vergangen. Breit und tief erscheint der Graben, den ein halbes Jahrhundert aufwirft. Grundfragen aber sind geblieben: Wie kann ein Mensch in einem Irrgarten von Bedrohung und Gefahren überleben? Was hat er einer immer drastischeren Mißachtung seiner Würde entgegenzusetzen? Worauf stützt sich sein so oft eingeschüchtertes, ja belächeltes Vertrauen in die Nähe des Ewigen?

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